Kardieren und Kämmen

Wollvorbereitung vor dem Spinnen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Wolle aus dem Schafvlies zum Spinnen vorzubereiten. Je nach Beschaffenheit (z.B. Länge und Kräuselung der Fasern) und Verunreinigungsgrad der Wolle bzw. je nach Verwendungszweck des Garnes wählen erfahrene Spinner die eine oder andere Methode.

Am einfachsten ist, wenn die Fasern schön lang sind, noch unverfilzt in ihrem natürlichen Verbund liegen und wenig Verunreinigungen im Vlies enthalten sind. Dann genügt es, die Wolllocken mit den Händen quer zur Faserrichtung zu öffnen und zu zupfen. Dabei lösen sich die einzelnen Fasern etwas voneinander und werden schleierartig ausgebreitet. Bei etwas verklebten Spitzen kann das Öffnen von einer Flickkarde unterstützt werden.

 

Flickkarde

Flickkarde

Handkarden

Handkarden

Trommelkarde

Trommelkarde

Das Kardieren

Bei Vliesen, die auch nach dem Sortieren und Waschen noch viele Verunreinigungen (Einstreu, kurze Nachschnitte – sog. “Wollnester“) enthalten oder leicht angefilzt sind, empfiehlt es sich, die Wolle zu kardieren. Zu diesem Zweck verwendet man Handkarden, eine Trommelkardiermaschine oder eine elektrische Kardiermaschine - je nach Menge der zu verarbeitenden Wolle. Mit diesen Geräten wird die Wolle geöffnet und die Fasern werden mehr oder weniger parallel ausgerichtet, wobei Pflanzenreste wie Heu, Disteln, Nadeln o.ä. sowie Wollnester leicht aussortiert werden können. Außerdem bietet das Kardieren eine wunderbare Möglichkeit, Farbmischungen und Farbverläufe für interessante bunte Garne herzustellen.
Alle Kardiergeräte weisen einen Belag auf, in den viele kleine, gebogene Stahldrähte dicht an dicht eingelassen sind, deren Spitzen alle in eine Richtung zeigen. Zum Kardieren mit den Handkarden werden einige Locken der Wolle in die Drähte der einen Karde eingehängt. Die zweite, leere Karde wird auf die mit Wolle gefüllte aufgesetzt, so dass sich die Drähte leicht berühren, und dann parallel darüber gezogen. Dabei werden Wollfasern ergriffen und bleiben in der leeren Karde hängen. Nach mehreren Durchgängen kann man die gelockerten, nun spinnfertigen Fasern abnehmen.
Bei den Kardiermaschinen werden die Wollbüschel auf das Brett vor der ersten kleinen Trommel gelegt. Durch Drehen der Trommeln berühren sich die Stahldrähte leicht, und die Wollfasern wechseln von der kleinen auf die große Trommel und werden dabei auseinandergezogen und parallelisiert.
Kardierte Wolle ist luftig und flauschig. Durch geeignete Spinnmethoden, z.B. den langen Auszug, lässt sich daraus ein weiches, luftiges Streichgarn spinnen.

Das Kämmen

Eine weitere Methode, Wolle zum Spinnen vorzubereiten, ist das Kämmen. Dafür verwendet man Kämme mit einer oder mehreren Reihen von langen spitzen Metallzinken und Wolle mit nicht zu kurzen Fasern.
Im Museum wird das Kämmen mit zwei vierreihigen englischen Wollkämmen gezeigt.
Der eine der beiden Kämme wird stationär an der Kämmstation befestigt, zunächst mit nach oben weisenden Zinkenspitzen, zwischen die mehrere Wolllocken eingehängt werden. Danach wird der Kamm so gedreht, dass die Zinken zur rechten Seite zeigen. Mit dem zweiten Kamm, der senkrecht dazu geführt wird, werden nun einzelne Fasern aus dem Wollbüschel gezogen. Auf dem ersten Kamm bleiben nur kurze Fasern und Verunreinigungen übrig, die verworfen werden. Der Wollbart auf dem zweiten, beweglichen Kamm wird nun wieder auf den ersten, festen Kamm überführt. Nach mehreren Durchgängen erhält man einen Bart von langen, parallel liegenden Fasern, aus dem kurze Fasern und Pflanzenreste etc. vollständig entfernt sind.
Um diesen Faserbart von dem stationären Kamm abzunehmen, benötigt man zum Schluss noch einen sogenannten Strecker (engl. Dizz) – das ist ein rundes, leicht gebogenes Scheibchen mit einem 3-5 mm großen Loch.

Kämme

Kämme

Strecker

Strecker

Mit einer Häkelnadel zieht man einige wenige Fasern durch dieses Loch, greift mit den Fingern diesen Anfang und kann nun den Bart in Form eines langen, dünnen Bandes durch das Loch ziehen. Dieser sogenannte Kammzug besteht nur noch aus den langen, jetzt genau parallel liegenden Fasern der Wolle.
Geeignet ist die Methode des Kämmens auch zum Mischen von verschiedenen farbigen Wollen.
Beim Spinnen muss man darauf achten, dass die langen, parallelen Fasern sehr leicht aneinander vorbei rutschen. Es empfiehlt sich deshalb, einen kurzen Auszug zu wählen oder Stücke des Kammzugbandes aus der Falte zu spinnen. Man erhält auf diese Weise ein glattes, glänzendes Garn mit wenig Lufteinschlüssen, das sog. Kammgarn.